24.01.2017 um 19:24 von michael meiner

Im Test/ Review: RESIDENT EVIL 7 für PS4 und Xbox One

Die Resident Evil-Geschichte ist nicht nur lang und blutig, sondern auch von vielen Veränderungen geprägt. So verwandelte sich die ursprünglich eher gemütliche Zombie-Hatz mit Teil 4 in ein rasantes 3rd-Person-Action-Gemetzel, bei dem die serientypischen Rätsel in den Hintergrund traten. Teil 5 und 6 führten zusätzlich noch Koop-Möglichkeiten ein, entfernten sich aber immer weiter von der ursprünglichen Resident Evil-Formel. Mit Resident Evil 7 Biohazard steht nun eine weitere tiefgreifende Veränderung an.

Resident Evil 7: Das nächste Kapitel

Eine rätselhafte E-Mail führt den jungen Ethan in eine der entlegensten Gegenden des Bundesstaates Louisiana. Doch statt der erhofften Begegnung mit einer Person aus seiner Vergangenheit, wird Ethan in einen Abgrund aus Gewalt, Mord, Kannibalismus und Wahnsinn gezogen, der sich hinter Filmen wie „Das Kettensägen-Massaker”, „Evil Dead” oder „Frontiers” keinesfalls verstecken muss.

Neue Perspektive, neuer Horror

Schon im schön inszenierten Vorspann wird die größte Veränderung im Resident Evil-Universum erkennbar: Anstatt wie in Teil vier, fünf und sechs über die Schulter unseres Helden zu blicken, wird Resident Evil 7 in der Ego-Perspektive (also durch Ethan’s Augen) gespielt. Das Abenteuer beginnt, nachdem Ethan sein Auto in einem sumpfigen Wald abgestellt hat. Trotz zirpender Grillen und zwitschernder Vögel liegt eine Bedrohung über der Szenerie, die fast körperlich spürbar ist. Hinter einem mächtigen Tor kauert ein düsteres Anwesen in den Schatten, der Ort, an dem Ethan das Ende seiner Suche vermutet. Allerdings ist das Tor verschlossen und wir machen uns auf die Suche nach einer Möglichkeit, das Haus zu erreichen.

Euer eigener Backwoods-Slasher!

Während der sumpfige Boden unter Ethans Schuhen schmatzt, erforschen wir das Dickicht, entdecken einen verlassenen Lieferwagen und erhaschen einen kurzen Blick auf einen der Bewohner des Hauses. Wir folgen der Gestalt, die Erinnerungen an Bösewichte aus klassischen Slasher-Movies weckt: Leather-Face, Jason Vorhees, Michael Meyers und Co lassen schön grüßen! Schließlich erreichen wir in der Abenddämmerung endlich das Haus und betreten das Anwesen durch eine Seitentür, die prompt hinter uns zuschlägt und sich auch nicht mehr öffnen lässt.

Im Haus des Grauens

Schon nach wenigen Metern in der verfallenen Bude wird klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht: Die Speisereste im Kühlschrank und auf dem Tisch deuten auf seltsame Ernährungsgewohnheiten hin, Klopfgeräusche aus anderen Räumen und zuschlagende Türen treiben unseren Herzschlag nach oben. Da sich nur die wenigsten Türen öffnen lassen, schnappen wir uns eine Videokassette und schieben sie in den Recorder, der sich im Wohnzimmer befindet. Nach einem kurzen Testbild startet dann nicht etwa ein Filmchen, sondern eine Sequenz, in der ihr den Hauptdarsteller spielt. In Gestalt eines Kameramanns untersucht ihr das Haus und entschlüsselt Hinweise, mit der die Geschichte von Ethan vorangetrieben werden kann. So entdeckt der Kameramann während seines Videos einen Hebel im Kamin, der einen Geheimgang öffnet. Selbstverständlich zieht auch Ethan nach Ende des Videos an diesem Hebel und huscht durch die Geheimtür.

Modernisierung erfolgreich!

Resident Evil 7 soll die Reihe laut den Entwicklern wieder zu ihren Ursprüngen zurückführen und nach einigen Stunden im unheimlichen Anwesen zeigt sich auch sehr deutlich, dass dieses Vorhaben mehr als gelungen ist. Das Tempo ist eher behäbig, der Schwerpunkt liegt nicht auf Action, sondern auf den schön gebauten Rätseln und der bedrohlichen Atmosphäre. Obwohl keine Zombies durch die Flure des Hauses schleichen, ist dennoch Vorsicht geboten: Die Bewohner haben etwas gegen ungebetene Besucher und lassen sich nicht ausschalten. Nur wer schleicht, die Gegner ausmanövriert und ein gutes Gespür für Timing beweist, hat hier eine Überlebenschance. Das Haus ist mindestens so verwinkelt wie die Villa in Raccoon City und hält zudem noch einige unangenehme Überraschungen wie Fallen oder morsche Fußböden parat.

Gute Rätsel, wenig Platz

Bei den Rätseln bekommt ihr es übrigens nicht nur mit zum Teil anspruchsvollen Aufgaben zu tun, sondern müsst euch auch als Inventory-Manager betätigen, denn der Platz in Ethans Hosentaschen ist begrenzt. Zum Glück lassen sich Gegenstände miteinander kombinieren um Platz zu sparen, wer sich gründlich im Haus umsieht, findet außerdem ein paar Rucksäcke, mit denen sich das Inventory vergrößern lässt.

Ethan schlägt zurück

Ähnlich wie moderne Horror- und Splatter-Filme vom Schlage eines The Hills have Eyes oder Wrong Turn, bietet auch Resident Evil 7 Biohazard einen so genannten „Relief Moment”. Diese Momente markieren in Filmen meistens den Punkt, an dem sich das Opfer eine Waffe schnappt und erbarmungslos zurück schlägt. Allen die befürchten, dass Resident Evil 7 die Action der Vorgänger komplett vernachlässigen würde sei gesagt, dass im weiteren Verlauf der ca. 10 Stunden langen Handlung noch jede Menge Gelegenheit für den Einsatz großkalibriger Waffen geboten wird. Und selbstverständlich erwarten euch auch ein paar beeindruckende Endgegner, die sich aber ohne größere Probleme ausschalten lassen.

Mittendrin im Horror-Film

Die große Stärke von Resident Evil 7 ist neben hervorragender Technik die wirklich intensive Atmosphäre. Es gelingt dem Spiel mühelos, euch in euren ganz eigenen Horror-Film zu versetzen. Ihr flüchtet vor ekligen Kreaturen, rüttelt panisch an verschlossenen Türen und versucht euch einen Reim auf die seltsamen Ereignisse zu machen. Hervorragend einsetzte Schockszenen und zum Teil sehr deutliche Gewaltspitzen zaubern jedem erwachsenen Spieler und Horror-Fan ein Lächeln aufs Gesicht. Besitzer einer Heimkino-Anlage (Sound in den Optionen bitte unbedingt umstellen) bekommen obendrein noch jede Menge gruselige Effekte und eine insgesamt hervorragende Soundkulisse geboten. Optisch ist Resident Evil 7 auf PlayStation 4 und Xbox One mehr als gelungen. Die neue RE-Engine wuchtet mühelos knackscharfe Texturen, hervorragende Rauch- und Lichteffekte und bizarre Gegner auf den Bildschirm, ohne dabei ins Stocken zu geraten. Die Gegner sind nicht nur hervorragend animiert, sondern geizen auch nicht mit ekligen Details wie offenen Wunden, eitrigen Beulen und jeder Menge Glibber.

Fazit: Gelungener Neustart!

Mit Resident Evil 7 Biohazard ist es den Entwicklern gelungen, einen Horror-Film zum selbst spielen abzuliefern. Die Atmosphäre ist hervorragend, die Technik mehr als gelungen und auch bei der Story hat man sich sehr viel Mühe gegeben. Erzählerische Kniffe wie die Videotapes und viele, viele Verweise auf Horror-Klassiker machen Resident Evil 7 Biohazard zu einer ganz klaren Empfehlung für Freunde des virtuellen Horrors! Mehr davon!



Michael Meiner
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